In eigenen Worten

Tja, wie kam der Junge zum Sammeln? Ehrlich gesagt, so genau kann ich mich gar nicht mehr erinnern. Ich denke, es waren verschiedene Faktoren, die zur gleichen Zeit zum Tragen kamen: das Lesen des Buches „Die Micromounter“ von A. Kipfer, der Besuch einiger Mineralienbörsen in Duisburg und Oberhausen und erste neugierige Untersuchungen des Kieselgerölls vor unserer damaligen Haustür sowie an einer Tiefbaustelle in der Nähe von Velbert – mit den allerersten mickrigen und kümmerlichen Quarzen, aber immerhin! Das alles natürlich nur mit einer Lupe.

1976 hatte ich geheiratet. Das Sammeln fing etwa Anfang der 1980er-Jahre an. Es dauerte rund zweieinhalb Jahre, bis ich mir die Summe für ein Stereomikroskop zusammengespart hatte. Allerdings war es auf den damaligen Börsen auch noch durchaus möglich, eine wirklich gute Micromount-Stufe für 20 Pfennig zu erwerben. Einige Zeit später langte es dann auch noch für eine dreiarmige Glasfiber-Kaltlichtleuchte von Schott.

Der Bestand baute sich hauptsächlich durch den Kauf von Micromounts und durch Tausch mit anderen Sammlern im In- und Ausland auf; eigene Exkursionen spielten eine weitaus geringere Rolle. Das lag einerseits am beruflich bedingten Zeitmangel, andererseits an den aus meiner damaligen Sicht beschränkten Zugangsmöglichkeiten zu Halden. Außer ein paar Kohle-Abraumhalden im Ruhrrevier und einigen Urlauben im Schwarzwald, in denen ich den Kaiserstuhl und natürlich die Grube Clara besuchte, kam es nie zu Exkursionen. Trotzdem war die Faszination jedes Mal groß. Selbst wenn nichts gefunden wurde: Die Stunden an einem frühen Sonntagmorgen, allein auf einer Halde, ließen bei mir stets ein unbeschreibliches Glücksgefühl aufkommen.

Die zweite, höchst ergiebige Möglichkeit ist der Tausch mit anderen Sammlern. Heute (2005) bietet das Internet eine solche Fülle von Kontaktmöglichkeiten, dass man es schon als paradiesisch bezeichnen kann. Um 1983 war das bei Weitem nicht so. Wenn ich mich recht erinnere, gab es ein „International Board of Micromounters“, ein gedrucktes Mitgliederverzeichnis, das man käuflich erwerben musste. Im Laufe der Zeit haben sich hervorragende Tauschfreundschaften entwickelt, die meist über viele Jahre hielten. Mein ältester Tauschfreund lebt in Sun City, Arizona, und ist gerade 90 Jahre alt geworden. Beide hatten wir immer einen sehr hohen Qualitätsanspruch. Ich habe nie nach der Regel „eins zu eins“ getauscht, mein Freund genauso wenig, und gerade darum stellten wir immer wieder fest: Je mehr man weggibt, desto reicher wird man.

Was mich am Sammeln fasziniert, ist die ästhetische Schönheit der Stufen. Während der ersten Jahre sammelte ich alles Schöne, was mir in die Hände fiel. 1985 entschied ich mich dann für eine Konzentration auf folgende Mineralarten: Gold, Silber, Kupfer, Cuprit, Proustit, Dioptas, Pyrargyrit, Bournonit, Azurit und Chalkotrichit als Varietät des Cuprits.

Das Motto „Klein, aber fein“ lag mir immer näher als große Formate. Eine neue, noch unbekannte Stufe unter dem Mikroskop zu betrachten, ist, wie in eine unbekannte Landschaft einzutreten und diese zu durchwandern. Auf das Montieren meiner Stufen habe ich dabei nie wirklich Wert gelegt. Mir reichte immer die übliche Befestigung mit Kitt in der Dose.

Ende der 1980er-Jahre hatte ich zusammen mit meinem Cousin, einem begeisterten Hobbyfotografen, versucht, ein paar meiner Stufen durch das Mikroskop zu fotografieren. Das war aufwändig und teuer. Die Resultate waren zwar nicht schlecht, erfüllten aber in keiner Weise die hohen Anforderungen, die wir uns zuvor gesetzt hatten. In den 1990er-Jahren ruhte mein Hobby zum größten Teil, weil sich andere Interessen davorgeschoben hatten: eine Reise mit dem Campmobil durch Kanada, Modellbau-Hubschrauber, der Pilotenschein für Ultraleichtflugzeuge und eine weitere Campmobil-Reise, dieses Mal durch Neuseeland.

2003 traf ich meinen Cousin nach vielen Jahren wieder; er hatte einige exzellente Aufnahmen und nützliche Tipps ins Internet gestellt. Es dauerte nicht lange, bis ich mir eine Nikon Coolpix 4500 und einen Okularadapter zugelegt hatte und munter anfing, Teile meiner Schönheiten zu fotografieren.

Abschließend möchte ich zum Ausdruck bringen, dass ich den Münchener Mineralienfreunden e. V. und hier besonders Manfred Seitz und seiner Micromounter-Gruppe dankbar bin für die Schaffung der Lithothek. Hier weiß ich die Teile meiner Sammlung, die in die Lithothek aufgenommen wurden, für die Nachwelt erhalten. Es bedeutet mir persönlich so etwas wie die Bewahrung eines Kulturguts in unserer so schnelllebigen Zeit. Zudem habe ich die Gewissheit, dass die eine oder andere Stufe Anerkennung von wirklich interessierten Leuten findet. In einem Museum mit anderen Schwerpunkten, in dem Mineralien nur eine beiläufige Rolle spielen, wäre das mit Sicherheit nicht gegeben. Ich bin mir sicher, dass die Lithothek in ein paar Jahren eine allererste Referenzadresse für Micromounter weltweit darstellen wird.

Nachtrag von Manfred Seitz

Unsere Gruppe hatte keinen direkten Kontakt zu Klaus-Dieter Bausch. Er hatte über unsere Vereins-Homepage von der Lithothek erfahren und sich spontan für eine Beteiligung an diesem Vorhaben entschieden. Ich habe ihn als Gruppenleiter der Micromounter nur einmal persönlich kennengelernt: als er im Jahr 2005 auf eigene Kosten nach München flog, um uns einen ersten Teil seiner Sammlungsstücke samt den dazugehörigen Fotos zu schenken. Die „Chemie“ stimmte vom ersten Augenblick an.

Zu weiteren persönlichen Begegnungen ist es nicht gekommen, wir blieben aber in ständigem schriftlichem und telefonischem Kontakt. Weitere Sammlungsstücke wollte er uns erst übergeben, nachdem er die Stufen fotografiert hatte. Klaus-Dieter nannte sich selbst einen „Ordnungs-Wahnsinnigen“. Nachdem er Ende 2006 von seiner schweren Erkrankung erfahren hatte, nutzte er das Jahr 2007, um seine Angelegenheiten zu ordnen. In diesem Rahmen erhielten wir Mitte des Jahres ein großes Paket mit dem Rest seiner Sammlung. Am 23. Dezember 2007 rief er mich noch einmal an, um sich zu verabschieden. Am 26. Dezember 2007 verstarb er.