Inspiriert durch das Buch “Der Micromounter” von Alex Kipfer, der dieses “Hobby im Hobby” Anfang der 1970er-Jahre in Europa populär machte, entdeckte Hans Erich Bluth sein Interesse für die Mini-Stufen. In der Sammlerszene galten die ständig mit ihren Einschlaglupen hantierenden Micromounter damals noch als Sonderlinge, die von den “richtigen Sammlern” eher belächelt wurden. Einige erkannten jedoch bald, dass der Platz im Keller immer enger wurde, und dass der Mineralienkosmos unter dem Stereomikroskop ganz neue Perspektiven eröffnete. Alte Halden und längst erloschen geglaubte Fundstellen konnten gewissermaßen zu einem neuen “Mineralienleben” erweckt werden.
Folgerichtig gründete er gemeinsam mit Heinrich Uhlendorf, Hans Wagner, Eveline Hagen und anderen die Arbeitsgruppe Micromounter in der VFMG Frankfurt. Gemeinsam fand die Gruppe nach und nach Tauschpartner in der ganzen Welt. Vor allem in den USA, der “Wiege des Micromounting” und in Südafrika gab es großes Interesse an den Ministufen aus Europa. Auch das Sammeln von Systematik-MM gewann an Bedeutung. Auf diese Weise baute er seine MM-Sammlung mit über 6.000 Stücken auf.
Ein kurzes, aber leidenschaftliches Intermezzo gab es durch die Möglichkeit, in der nahegelegenen Ölschiefergrube Messel nach Fossilien zu graben. Von Mitte bis Ende 1974 entwickelte sich hier eine wahre Goldgräberstimmung. Im Austausch mit anderen Amateuren trug er zur Fortentwicklung der Transfer-Methode bei, durch die erstmals eine robuste Konservierung von Fossilien aus Messel ermöglicht wurde. Mit seinem Artikel “Messel bei Darmstadt” in der Zeitschrift Lapis (Jg.2, Nr.4, S.26ff) veröffentlichte er einen leidenschaftlichen Appell zur Erhaltung der Fossilienfundstelle Messel, die damals zu einer großen Mülldeponie umgewandelt werden sollte.
Zur Mitte der 1980-er Jahre trug er dazu bei, ein weiteres “Hobby im Hobby” zu etablieren: Das Sammeln von Sanden. Nicht nur für ihn erschlossen sich wieder neue Welten unter dem Binokular. Bis dahin war nur wenigen bewusst, wie viele interessante Mineralien und Mini-Fossilien man in den Sanden dieser Erde entdecken kann. Mit seiner Veröffentlichung “Sande sammeln - Kristalle und Fossilien unter der Lupe” im Mineralienmagazin 9/1983, S.403ff konnte er einen Beitrag leisten zum Sammeln von Sanden.
Gesundheitlich beeinträchtigt verbrachte Hans Erich Bluth in seinen letzten Lebensjahren viel Zeit vor dem Computer. Autodidaktisch übernahm er den Inhalt von über 6.000 Karteikarten der MM-Sammlung in eine elektronische Datenbank. Diese bildet bis heute die Grundlage für die Verwaltung seiner Sammlung. Er verstarb 1999.
Der vorstehende Text stammt von seinem Sohn Joachim Bluth, der die Sammlung des Vaters weiterführte und ergänzte. Über den Mineralienatlas lernte er die Lithothek der Münchener Micromounter kennen. Er war von der Idee dieser Gemeinschaftssammlung so angetan, dass er begann, die von ihm ergänzte Sammlung seines Vaters durchzuarbeiten mit dem Ziel festzustellen, welche Stücke für die Lithothek von Interesse sein könnten. Im Ergebnis fand er bereits über 800 Objekte, die er aus der eigenen Sammlung nahm und fotografierte, um sie mit Foto der Lithothek zu spenden. Dies vor allem aus zwei Gründen: die Erinnerung an seinen Vater sollte neu belebt und die Idee der Lithothek gefördert werden. Die Auswertung der Sammlung wird fortgesetzt.