In eigenen Worten

Schon als Kind bin ich mit Mineralien in Kontakt gekommen. Mein Vater war Naturwissenschaftler und interessierte sich nicht nur für sein eigentliches Fachgebiet, die Botanik, sondern auch für die Mineralogie. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts baute er sich eine Mineraliensammlung auf, teils aus selbst gesammelten, teils aus gekauften Handstücken. Diese schönen Steine, teils in Kristallen, teils mit Anschliffen, faszinierten mich. Ich freute mich an ihrer Farben- und Formenvielfalt.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs mussten wir unsere Wohnung verlassen. Uns wurde eine andere Bleibe in einem Holzhaus zugewiesen, in das wir die Sammlung nicht mitnehmen konnten – die Bodenbelastung wäre zu hoch geworden. So wurde die Sammlung an ein Mineralogisches Institut übergeben; mir blieben die Erinnerung und das geweckte Interesse an der Welt der Mineralien.

Auch meinen Mann habe ich mit meinem Interesse für Landschaften, Pflanzen und Mineralien anstecken können. Anfang der 1970er-Jahre schied er aus dem Berufsleben aus, und wir konnten uns mehr mit unseren gemeinsamen Interessen beschäftigen. Wir reisten, teils allein, teils mit Mitgliedern der Münchener Mineralienfreunde, denen wir bald beitraten. Sammeln bedeutete für uns das Erlebnis in der Natur, die Freude und Möglichkeit, viel Neues zu lernen, Ideen für die Gestaltung der eigenen Sammlung zu entwickeln, Referate und Vorträge vorzubereiten und vieles mehr. Nach dem Tod meines Mannes hat sich an diesen Interessen für mich nichts geändert; vielleicht haben sie sogar einen noch höheren Stellenwert bekommen.

Ich bin an Lokalsammlungen interessiert. Dabei geht es mir nicht in erster Linie um Vollständigkeit, sondern um Schönheit. Eine besondere Freude ist es für mich, die Vielfalt der Ausbildung in Form und Farbe von Kristallen ein und derselben Mineralart zu beobachten. So habe ich zum Beispiel viele Olivenit-Variationen von der Grube Clara in Oberwolfach in meiner Sammlung oder Adamin-Variationen von Lavrion in Griechenland. Ich versuche auch, Stüfchen von mir nicht zugänglichen Fundstellen in meine Sammlung einzubringen; sie ergänzen die selbst gefundenen Stücke. Die Beschäftigung mit Mineralien gibt mir die Möglichkeit, mit gleichgesinnten Freunden in ständigem Kontakt zu bleiben.

Ich habe keine Familie, die an Mineralien interessiert ist. Daher soll meine gesamte Micromount-Sammlung an die Arbeitsgruppe Micromounter der Münchener Mineralienfreunde gehen. Eine repräsentative Auswahl möchte ich gerne in der Lithothek sehen; die übrigen Stücke möge die Gruppe nach Belieben verwenden. Mit einigen schönen Sammlungsstücken meiner eigenen Wahl möchte ich mich aber schon jetzt in die Lithothek einbringen.

Nachruf von Manfred Seitz

Unsere Freundin „Dorle“ Kulicke ist am 2. November 2003 nach schwerer Krankheit gestorben – am Abend des Tages, an dem die Münchener Mineralientage zu Ende gingen. Die Messe wollte sie, auch wenn nur im Geiste, noch einmal miterleben; erst danach konnte sie loslassen. Noch wenige Wochen zuvor hatte sie im Krankenhaus Prospekte für die bevorstehenden Mineralientage ausgelegt – so sehr gehörte der Verein zu ihrem Leben. Am 7. November 2003 fand im Neuen Südfriedhof in Perlach eine Trauerfeier statt, bei der sich viele Freunde von ihr verabschieden konnten.